Business liebt KI, User*innen haben genug: Das AI-Slop-Dilemma

Gefühlt reden derzeit Marketing Verantwortliche (aus allen Bereichen und nicht nur Social Media) und die User*innen aus der Community aneinander vorbei. Oder ist das nur mein Eindruck? Hier bin ich übrigens sehr auf deine jüngsten Erfahrungen gespannt. Schreibe gerne unten in die Kommentare, wie du diese Entwicklung wahrnimmst.

Spulen wir kurz zurück auf Anfang zum Titel des Beitrags: AI-Slop!. Wovon will ich in diesem Beitrag eigentlich mit dir reden? Zugegeben, dieses Wort musste ich erstmal nachschlagen, aber das Gefühl dahinter war schon längst da. Ich spreche vom sogenannten AI Slop.

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LinkedIn feiert, der Rest hat genug: Wenn Feeds nur noch nach KI aussehen

Es entsteht zunehmend der Eindruck, dass man von KI‑Inhalten übersättigt ist. Alles wirkt gleich, austauschbar, massenhaft. Die Feeds scheinen nur noch aus KI-generierter Inhalten zu bestehen. Gleichzeitig ist die Debatte darüber seltsam gespalten: Die einen feiern die neue Effizienz, die anderen spüren vor allem Ermüdung.

Schauen wir zunächst auf LinkedIn. Hier sprechen viele aus dem Marketing-Umfeld immer noch über die Vorzüge und Vorteile von KI. Die auch nicht von der Hand zu weisen sind. Aber schaut man sich mal ein bisschen auf weniger Business-orientierten Plattformen um, dann stößt man gerade in den Kommentaren auf ähnliche Beiträge. Entweder haben die User*innen genug von KI oder es wird bemängelt, dass der eigentliche Beitrag irgendwie mit KI erstellt wurde, selbst wenn die Beiträge gar nicht KI-generiert sind. Hier erinnert man sich wohl noch an den berüchtigten KI‑Werbespot von Coca‑Cola zu Weihnachten, der kaum Festtagsstimmung aufkommen ließ.

Eine Frage der Perspektive: Warum Business anders auf KI schaut

Warum also diese gespaltene Diskussion? Ich glaube der Kern liegt im unterschiedlichen Grund, warum man überhaupt auf Social Media unterwegs ist. Social Media Verantwortliche und Marketing‑Expert*innen denken häufig aus einer Business‑Logik heraus und darin sind die Vorteile von KI eindeutig: Sie spart Zeit und Geld, unterstützt bei der Content‑Produktion, liefert schnelle Datenauswertungen für Analysen und Reportings und hilft als Ideengeber, wenn die Kreativität kurz stockt. All das ist legitim und für das Business absolut wertvoll.

Nur die User*innen und damit die Zielgruppen, die wir doch ansprechen wollen, sind wohl kaum aus Business-Gründen auf Social Media (mal abgesehen von LinkedIn). Für sie ist Social Media vor allem Zeitvertreib und Unterhaltung. Welche Auswirkung dieser Entertainment-Shift sonst noch hat, haben wir hier näher im AllSocial Blog beschrieben.

Sie interessieren sich nicht dafür, ob wir jetzt bei einem Beitrag dank KI ein paar Sekunden Zeit gespart haben. Sie wollen Content konsumieren, der sie interessiert, anspricht oder neugierig macht. Und weil immer mehr mit KI erstellt wurde, nähern sich viele Beiträge optisch wie inhaltlich an. Und dann ist der Vorwurf, etwas ist KI-geniert schnell im Raum oder in der Kommentarsektion.

Warum wir den AI-Slop ernst nehmen müssen

Warum sollte uns das als Social Media Manager*in kümmern? Ganz einfach: Weil unsere Community das Wertvollste ist. Wenn User*innen den Eindruck haben, ein Kanal bestehe nur noch aus austauschbarem KI-Content, dann leidet die Wahrnehmung und mit ihm die Bindung und Bereitschaft der Community, mit einem Account überhaupt zu interagieren.

Ein Feed, der sich anfühlt wie von der Maschine für die Maschine gemacht, verliert genau die User*innen, die wir eigentlich erreichen wollen. Dazu kommt: Die Social-Media-Nutzung stagniert bei den Jüngeren mittlerweile spürbar. Laut der ARD/ZDF-Medienstudie 2025 hat die Wochenreichweite bei den 14- bis 29-Jährigen ein Plateau erreicht, und die Postbank-Jugendstudie zeigt sogar rückläufige Nutzung bei fast allen großen Plattformen. Aufmerksamkeit wird also nicht mehr, sie wird knapper. Umso weniger können wir es uns leisten, sie mit generischem Content zu verspielen.

Echter Dialog statt AI-Slop

Das heißt aber nicht: KI raus aus dem Social Media Management. Es heißt: KI mit gesundem Menschenverstand einsetzen und nicht jedem KI-Trend hinterherjagen, ganz ohne AI Slop:

  • Direkt mit der Community sprechen. Nichts ersetzt echte Interaktion. Kommentare, Antworten, Nachfragen. Hier entsteht Nähe, die im Community Management keine KI generieren kann.
  • KI bewusst in die Strategie einbinden. Die Frage ist nicht ob, sondern wo KI wirklich hilft, ohne dass am Ende Slop entsteht. Wie sich KI und Community Management sinnvoll verbinden lassen, haben wir hier dir näher beschrieben.
  • Format und Medium mitdenken. Ein datengetriebenes Reporting darf ruhig KI-gestützt sein, ein persönliches Reel oder ein Community-Post lebt dagegen von echter Stimme.
  • Prozesse für die KI-Nutzung bestimmen: KI einsetzen, nur damit man KI einsetzt, führt schnell zu einem unnötigen Mehraufwand. Wie du die richtigen Prozesse für den KI Einsatz bestimmst, haben wir dir hier im Blog zusammengefasst.

Am Ende gilt und die Feststellung hast du bestimmt auch schon häufiger gehört, aber im direkten Kontakt und Dialog mit der Social Media Community kann man es nicht oft genug wiederholen: KI ist ein Werkzeug, kein Ersatz für echte Kommunikation.

Alexander Hein
Alexander Heinhttps://axconsulting.de
Alexander Hein ist Freelancer für Content & PR. Schreibt gerne und dachte eines Tages: Warum nicht die eigene Leidenschaft zum Beruf machen? Als ehemaliger Gründer eines IT-Startups hat er einen Faible für Themen rund um Tech und IT. Darüber hinaus liegen weitere Schwerpunkte in der Zusammenarbeit mit Online-Shops und KMUs. Seit Mitte 2023 ist der studierte Germanist im AllSocial-Team.

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