Metas Traum vom Metaverse ist geplatzt

Während uns die geopolitischen Nachrichten derzeit stark beschäftigen, ist eine andere Entwicklung beinahe untergegangen. Dabei markiert sie einen tiefen Einschnitt für die Tech-Branche: Meta beendet das Metaverse in seiner bisherigen Form durch eine Reihe gezielter Entscheidungen innerhalb weniger Tage.

Ein kurzer Schritt zurück: Mit der Umbenennung von Facebook zu Meta machte Mark Zuckerberg im Jahr 2021 unmissverständlich klar, wohin die Reise gehen sollte. Das Metaverse wurde als Nachfolger des Internets positioniert. Webseiten sollten durch immersive 3D-Welten ersetzt werden, Menschen ihre Freizeit ebenso wie ihre Arbeit dort verbringen. Mit Meta Horizon für soziale Erlebnisse und Workrooms für den Arbeitsalltag wollte Meta gleich mehrere Lebensbereiche in diese neue Plattform überführen. Selbst Unternehmen wie Microsoft stellten damals passende Anwendungen in Aussicht.

Strategisch war das Metaverse für Meta eine Wette auf das nächste große Plattform-Paradigma, jenseits der in vielerlei Hinsicht gesättigten Social Networks.

Zentrales Element dieser Vision war ein VR-Headset: Bildschirme direkt vor den Augen, räumlicher Sound, gesteuert über Handgesten. Ein neues „Betriebssystem des Internets“.

Fehlender Product-Market-Fit

Ja, es gibt Nischen, in denen VR funktioniert. Im Gaming- und Sportbereich etwa, wo immersive Erlebnisse tatsächlich einen Mehrwert schaffen, den klassische Bildschirme nicht leisten können. Auch in spezialisierten industriellen oder kollaborativen Szenarien kann VR sinnvoll sein.

Für den Büro-Alltag jedoch nicht. Dort existieren mit geteilten Dokumenten, Messengern wie Slack und etablierten Videokonferenz-Tools längst Lösungen, die einfacher, günstiger und funktional ausreichend sind. Das Metaverse bot hier vor allem eines: zusätzliche Komplexität ohne klaren Nutzen.

Jetzt also der strategische Shift

Seit dem Jahreswechsel zieht Meta nun selbst die Konsequenzen. Nach Berichten von The Verge wurden innerhalb weniger Tage zwischen 1.000 und 1.500 Mitarbeitende im Bereich Reality Labs entlassen – jener Einheit, die für VR- und AR-Entwicklung zuständig war.

Gleichzeitig stellt Meta Horizon Workrooms Mitte Februar ein. Alle Nutzerdaten werden gelöscht. Kurz darauf endet auch der Verkauf von Meta-Quest-Headsets an Unternehmen. Damit verabschiedet sich Meta faktisch aus dem Metaverse-Arbeitskontext, einem der zentralen Anwendungsfälle der ursprünglichen Vision.

Auch mehrere VR-Spiele-Studios, die Meta in den letzten Jahren gekauft hat, wurden in den letzten Tagen geschlossen. Eine Weiterentwicklung in diesen Bereichen ist damit auch nicht mehr wahrscheinlich.

Diese Entscheidungen senden ein klares Signal: Meta glaubt nicht mehr an das Metaverse als eigenständige Plattform.

Wie es weitergeht

Für Meta scheint der Weg im Moment erst einmal klar. Statt auf VR will man sich in Kalifornien lieber auf AR- (Augmented Reality) und AI-Lösungen fokussieren. Auch in diesem Segment ist Meta mit eigenen Produkten seit wenigen Jahren aktiv.

Statt den Nutzer in eine VKunstwelt einzuschließen, möchte man ihm nun lieber dabei helfen, mit KI-Assistenten im Blickfeld einer AR-Brille, seine täglichen Aufgaben zu bewältigen.

Ob sich daraus ein tragfähiges Geschäftsmodell ergibt, ist offen. Denn auch AR-Brillen bieten Stand heute für viele Anwendungsfälle keinen klaren Mehrwert gegenüber dem Smartphone. Der Unterschied: Die Eintrittshürden sind niedriger, die Nutzung scheinbar näher an bestehenden Gewohnheiten. Und genau das scheint Meta aus den letzten Jahren gelernt zu haben.

Jens Wiese
Jens Wiesehttps://jens-wiese.net/
Jens hat Allfacebook.de mitgegründet und war dort 12 Jahre lang als Chefredakteur tätig. Mit den Impact Cards hat er eine Lösung vorgestellt, die es jedem Social Media Manager erlaubt eine eigene Social-Strategie zu erstellen. Unabhängig von Beratern und Agenturen.

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