Feed und Fudder Podcast 88 – Darf man Social Media kritisieren?

Darf man Social Media kritisieren? Klar, warum auch nicht! Als Social Media Managerin hingegen keine leichte Frage. Immerhin: Wir verdienen unser Geld mit Social Media. Trotzdem sieht man auch als Social Media Managerin viele Entwicklungen kritisch.

Wir sprechen im Feed und Fudder Podcast über den Endlos-Feed und sein Suchtpotenzial, den rauer gewordenen Ton in den Kommentarspalten und die Verantwortung der Plattformen. Warum Verbote wenig bringen, Medienkompetenz dagegen viel.

Und warum es völlig okay ist, im eigenen Job nicht jeden Trend mitzumachen. Denn kritisch heißt nicht ablehnend: Eine klare Haltung hilft eurer Strategie, eurer Community und eurer eigenen Positionierung. Und warum gesunder Menschenverstand in Zeiten von KI sicher nicht schadet.


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Transkript Feed und Fudder Podcast 88 – Darf man Social Media kritisieren?

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Hier gibt es das Transkript zu Folge 88 – Darf man Social Media kritisieren?

Transkript

Nicola

Hallo und Servus zu einer neuen Folge Feed und Futter mit Alex und mir, der Nici. Hallo Alex.

Alexander

Hallo, herzlich willkommen.

Nicola

Heute sitzen wir mal bei angenehmeren Temperaturen zusammen. Meine Laune ist auch schon tausendmal besser jetzt. Ich schwitze nicht. Ich finde, Podcast aufnehmen ohne zu schwitzen ist sehr angenehm.

Alexander

Ich glaube, Podcast aufnehmen ist immer gut, wenn man in einer guten Stimmung ist. Aber schön, dass du heute in richtiger Aufnahmelaune bist.

Nicola

Total. Und bevor wir einsteigen in unsere große Frage, darf man Social Media kritisieren, will ich noch einmal kurz ein Recap machen zu unserer letzten Folge. Es ging um Community Management und den Community Kodex. Und da hast du noch eine Nachricht bekommen, beziehungsweise eine Ergänzung, und das wollen wir euch überhaupt nicht vorenthalten.

Alexander

Genau, wir haben nämlich über den Community Kodex gesprochen. Das ist eine Initiative von Social Media und Community Expertin Vivian Pein und Mitinitiatorinnen. Ja, über gute Moderation, saubere Moderation, also dass man auch acht Leitlinien hat, wie man mit Hate Speech im Internet umgehen kann. Und da hat uns Vivian Pein noch etwas nachgereicht, und das finden wir ziemlich cool, weil wir in der Folge auch darüber gesprochen haben, dass es oft nicht so leicht ist, diese Codes, Emojis und was es alles gibt, oder auch Redensarten, so Community Speech, zu durchblicken. Denn oft werden Hassbotschaften hinter vermeintlich harmlosen Emojis versteckt. 

Und da hat Vivian auf ihrer Webseite eine sehr umfangreiche und übersichtliche Liste mit allen gängigen Codes und Emojis, die in Kommentarspalten verwendet werden und was sie bedeuten. Und das andere war, wir haben auch darüber gesprochen, dass es für ein Team oft eine Ressourcenfrage ist oder wo man beim Community Management anfängt. Und da hat sie auf ihrer Website ein Modell, das man relativ leicht und mit ein paar Schritten aufs eigene Community Management übertragen kann, weil irgendwo muss man ja anfangen. Wir tun beides in die Folgenbeschreibung, wir tun es auch in die Folgenbeschreibung der Folge zum Community‑Kodex.

Nicola

Perfekt. Jetzt, wir hängen ja auch viel auf LinkedIn rum, wie das so ist als Social Media Manager und Managerin. Ich habe einen Post gesehen von Schanko, Senior Agency Lead von LinkedIn, sollte euch auch bekannt sein, war auch schon Speaker auf der Social Konferenz und ist gefühlt auch schon ewig bei LinkedIn beruflich tätig, nicht nur auf der Plattform, sondern wirklich bei der Firma LinkedIn. Und er schreibt vor ein paar Wochen: Frankreich wird als erstes EU Land Social Media für unter 15 Jährige verbieten.

Und ich merke, vor einigen Jahren hätte ich diese Nachricht wahrscheinlich kritischer gesehen. Und er beschreibt, dass er seit 16 Jahren für diese Social Media Plattformen arbeitet, acht Jahre bei LinkedIn und so weiter, also ist auch schon 100 Jahre irgendwie dabei, und er glaubt an die positiven Möglichkeiten von digitalen Plattformen, sie schaffen Verbindungen und so weiter. Ich glaube, da gehen wir gleich auch näher drauf ein, wie wir das sehen. Und das ist ja schon ein Punkt, auch er sagt, als Vater einer fünfjährigen Tochter, da bin ich in der gleichen Situation zum Beispiel, sieht er es heutzutage kritischer. Und diese ganze Geschichte für oder gegen Social, diese ganze Debatte, ist halt schwierig. Und er sieht es aber auch deutlich kritischer. Und jetzt mal deine Meinung dazu: Wie stehst du zu Social Media?

Alexander

Ja, auch zweigeteilt. Auf der einen Seite ist es unser Job. Wir haben einen Social Media Marketing Podcast, in dem wir Woche für Woche über Themen aus dem Social Media Marketing reden. Wir verdienen unser Geld mit Social Media. Also bin ich schon mal Social Media eigentlich sehr dankbar. Und da haben wir uns auch lange überlegt: Dürfen wir überhaupt Social Media kritisieren? Weil wir verdienen mit Social Media unser Geld, und Social Media verschafft uns unsere Reichweite.

Über Social Media machen wir unseren Podcast und den AllSocial Blog bekannt. Also wir verdanken und nutzen Social Media sehr viel. Aber diese Entwicklungen, und da muss man doch sagen, als wir angefangen haben, war die größte Social Media Entwicklung überhaupt, ich würde sogar sagen noch wichtiger als KI, eigentlich die Evolution vom Feed. Am Anfang hast du nur das gesehen, was deine Freunde gepostet haben. Wenn du zum Beispiel, sagen wir mal, fünf Freunde hattest, mit denen du auf einer Social Media Plattform vernetzt warst, war der Feed irgendwann mal bald einfach zu Ende.

Nicola

Halt schnell sogar.

Alexander

Und jetzt ist es so, jetzt hast du den Endlos Feed, und man sieht ja kaum noch Inhalte von den Leuten, mit denen du vernetzt bist, sondern siehst alles Mögliche. Und die Social Media Plattformen wollen ja, dass du dein Smartphone gar nicht mehr weglegst, sondern endlos, Doomscrolling, endlos durch den Feed scrollst. Und Social Media hat natürlich eine Suchtgefahr.

Das ist ja auch meistens die Begründung bei Regierungen. Wir hatten das ja zuerst in Australien, die sagen: Hey, das hat ein Abhängigkeitspotenzial, vor allem für unsere 16 Jährigen. Und die Social Media Plattformen bedienen sich ja auch gewisser Effekte, die dich dazu bringen sollen, dass du so viel Zeit wie möglich auf Social Media verbringst. Und das sehen wir kritisch. Und das andere, was wir auch kritisch sehen, ist, wie der Ton auf Social Media rau geworden ist. Ich denke, das hängt auch ein bisschen zusammen. Früher hattest du deinen Freundeskreis online, und wenn du da etwas Beleidigendes geschrieben hast, konntest du dir sicher sein, sobald du die Person in echt gesehen hast: Hey, was bitte, warum machst du das?

Und jetzt ist es die komplette Anonymität, auch wenn die Leute einen Klarnamen schreiben. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass du der Person, unter der du einen Hasskommentar schreibst, die du nicht kennst, wie zum Beispiel gerade Frauen im Sport, die kriegen ja oft solche Hasskommentare, überhaupt Frauen in der Öffentlichkeit, dass du dieser Frau dann mal live begegnest, ist sehr gering. Und aus dieser geringen Wahrscheinlichkeit, jemandem live so zu begegnen, schreibst du solche Kommentare. Und das sind Entwicklungen, die wir kritisch sehen.

Und ich finde, da darf man als Social Media Managerin und Manager auch Social Media kritisieren, eine kritische Haltung einnehmen. Und ich finde es auch wichtig, mit dieser Kritik, wir sagen nicht ablehnen, sondern dass du eine verantwortungsvolle Haltung gegenüber deiner Arbeit im Social Media Management und Marketing einnimmst.

Nicola

Ja, vielleicht auch nochmal so: Es ist, wie du sagst, zweischneidig. Ich kann mich noch gut erinnern, und da muss ich auch sagen, sind wir selber schuld. Gerade wir Social Media Manager, die schon sehr lange dabei sind, sind ja auch irgendwo schuld, dass es so verbreitet ist. Also man kann sich davon nicht so lösen. Viele, viele Jahre haben wir in den Unternehmen, in verschiedenen Plattformen dafür geworben, dass man auf Social Media geht, dass man auf die Plattform geht, dass man Instagram macht, dass man Content macht und so weiter.

Also es ist schon so, dass man natürlich irgendwie nicht schuldbefreit ist, weil man ja auch wollte, dass es Erfolg hat. Und ich sehe das ähnlich. Ich sehe die positive Kraft, aber ich glaube, was sich schon radikal verändert hat, ist, dass es natürlich ein Leitmedium ist. Es ist gesellschaftlich eine sehr breite Masse an Leuten auf den Plattformen, weltweit. Und es bringt unfassbar viel, oder es spiegelt ja die Menschen auch wieder. Das ist ja genau der Punkt. Ich weiß noch, ich war vor vielen Jahren auf der Republica, und da wurde das auch schon kritisiert.

Und zum Thema: Darf man es kritisieren? Ich denke, man muss es kritisieren. Also die Social Media Experten und Expertinnen sind ja genau die, die sich so gut mit den Plattformen auskennen, dass sie genau aus dieser Bubble heraus schon immer kritisiert haben, wenn die Plattformen Veränderungen angestrebt haben, die Missbrauch verursachen können oder Sucht verursachen können. Und deswegen finde ich, in dem Punkt ist es ja so, dass lange, lange die Politik oder auch das Bildungssystem überhaupt nicht zugehört und überhaupt nicht reagiert hat, und die Kritik gerade von Experten kam. Und wie gesagt, vor vielen Jahren auf der Republica wurden genau diese Themen angesprochen, genau die Gefahr, es könnte zu Suchtpotenzialen kommen und so weiter.

Also genau das, was wir heute sehen oder wo wir die Konsequenzen sehen. Und witzigerweise habe ich das Gefühl, das Spiel wiederholt sich gerade mit KI. Also das geht ein bisschen schneller, aber das ist ähnlich. Was für eine Möglichkeit ist da? Und jetzt kommt aber schon: Oh, da ist es aber gefährlich, oh, da wird es aber missbraucht, oh, das ist aber schwierig, es wird viel zu viel genutzt und so weiter. Und da haben wir das aber in einer viel schnelleren Dynamik

Und unterm Strich finde ich Kritik voll wichtig, weil die Plattformen sich ohne Druck natürlich überhaupt nicht ändern. Die Plattformen sind ein Businessmodell. Die wollen Geld verdienen. Wir haben gerade auf dem Blog, auf Allsocial.de, die neuen Meta Zahlen veröffentlicht. Meta ist weiterhin sehr erfolgreich, hat starke Revenues. Und da geht es um die Gesellschafter. Und es geht darum, dass die Stakeholder ihre Gewinne abschöpfen. Und da ist der einzelne Jugendliche, der irgendwo in Timbuktu sitzt und süchtig wird, völlig egal, wenn man ehrlich ist. Und das ist auch unser Job. Also ich finde, als Social Media Manager, die wir so als Bindeglied sind, sollten wir genau hinschauen.

Alexander

Genau, also ich finde, man hat auch die Verantwortung, dass man zum Beispiel gewisse Trends einfach nicht mitmacht. Also gerade so, es gab das damals mit den Waschmittelpods, dass man sich filmt, wie man ein Waschmittel isst, oder dass man ein Selfie macht in gefährlichen Situationen, und dass man als Marke oder Unternehmen eben nicht dazu aufruft, so etwas zu machen.

Weil selbst wenn, da ist wieder die Gefahr von diesen Algorithmen: Selbst wenn irgendeine Waschmittelfirma dazu auffordert, dass man ihr Waschmittel isst, dann kann es natürlich erst mal kurzfristig negativ für die Marke sein, aber ich glaube, das wird so viele Views erzeugen, dass die kurzen Reputationsschäden schlichtweg egal sind, weil die Reichweite, die Klickraten und was weiß ich alles das ausstechen. Und das ist das, was ich meine mit: nicht ablehnen, sondern verantwortungsvoll handeln als Social Media Management, auch wirklich diese Trends durchgehen. Und kurz zu den Verboten: Australien lässt grüßen, oder besser gesagt, die VPN Clients lassen grüßen, es bringt gar nichts.

Da finde ich es, wie du auch sagst, viel wichtiger, dass man sowohl in der Familie als auch in der Schule, in der Politik Medienaufklärung macht. Weil trotz allem, Social Media, wir wollen es nicht zu schlecht reden, ist einfach das Leitmedium. Wir hatten es in zwei Folgen, wir hatten die Folge zum Digital News Report, es ist in fast allen Ländern das Leitmedium Nummer eins für Nachrichten. Und wir hatten die Folge Gen Z Marketing mit der Nicole Klemm, sie ist nämlich Spezialistin und Expertin für Gen Z Marketing, und sie hat erzählt: Für junge Menschen, gerade im Bereich Recruiting, ist Social Media einfach der erste Kontaktpunkt mit Unternehmen.

Und dann ist es auch wichtig, finde ich, dass Unternehmen präsent sind. Oder jetzt hat auch gestern der Hendrik Wüst ein Video gemacht, das fand ich ganz gut, wo er erklärt, warum die Landesregierung NRW ab sofort auf TikTok ist. Und was ich da interessant und auch sehr gut fand: Er hat erklärt, sie machen das nicht, weil sie damit einen weiteren Kanal bespielen wie Facebook oder Instagram. Sie wollen speziell die TikTok Community abholen, also auch Videos und Content produzieren, auf TikTok angepasst, damit sich eben auch mal die jungen Menschen auf TikTok informieren können, was eigentlich die Aufgaben einer Landesregierung sind. Und das finde ich gut.

Nicola

Ja, politische Aufklärung ist super wichtig und auch die Frage, der Desinformation dagegen zu wirken.

Alexander

Amen.

Nicola

Das ist ja eben, wir hatten es in einer der letzten Folgen auch, Thema Tagesschau. Also zu sagen: Hey, ich habe TV, da bin ich präsent, und dann noch eine Mediathek, ist schwierig, wenn du einen Bildungsauftrag hast und entsprechend alle Gesellschaftsschichten erreichen musst. Und deswegen ist es schon eine Frage, und die ist nicht einfach. Ich weiß, wir haben einige Zuhörerinnen, die für Ämter arbeiten, für Ministerien arbeiten, und ich finde, das ist ehrlicherweise total schwierig, also auch intern sich rechtfertigen zu müssen, warum müssen wir auf diesen Plattformen sein.

Auch wenn, wir wissen, die Plattformen fördern Sucht, und deswegen finde ich Kritik wichtig, aber sachlich in der Hinsicht zu sagen: Hey, liebe Plattformen, und da können wir dann politischen Druck erzeugen, liebe Plattformen, ihr müsst wirklich die Algorithmen anpassen. Weil am Ende die Jugendlichen dafür zu bestrafen, dass ein Businessmodell genau diese Schwäche ausnutzt, ist nicht in Ordnung, finde ich.

Alexander

Absolut. Deswegen ist es ja auch so wichtig, dass man eben in der EU, wir haben ja auch schon oft über Regulierung gesprochen, und wir sind ja beide immer der Meinung, dass es auch ein schmaler Grat für die Politik ist, dass Regulierung wichtig ist, aber es ist auch immer die Frage, wie weit es gehen darf. Aber damit es nicht zu weit wegführt: Warum haben wir diesen Folgentitel heute genommen, auch dieses Thema? Nicht nur aus praktischen Gründen, wie zum Beispiel: Welche Inhalte greifen wir auf? Machen wir bei jedem Social Media Trend mit?

Nein, wir wollten es auch noch aus einem anderen Grund: Darf ich Social Media auch persönlich kritisieren? Ich glaube, das ist als Social Media Manager nicht immer leicht. Du hast eh oft schon Rechtfertigungsdruck nach der Etage ganz oben. Entweder heißt es, Social Media ist nur Tanzen, oder brauchen wir nicht, und was weiß ich. Und dann ist es vielleicht auch schwer, damit umzugehen, dass man manche Entwicklungen gar nicht so gut findet, obwohl man sich eh schon ständig rechtfertigen muss, warum man Social Media macht.

Da wollen wir euch einfach sagen: Hey, es ist völlig in Ordnung und okay und gehört einfach dazu, dass ihr euch in eurem Job mal Gedanken macht, ob eine Entwicklung auf Social Media richtig oder falsch ist, ob man da wirklich mitmachen will. Macht euch diese Gedanken, das ist auch ganz wichtig. Ich finde, wenn man sich diese Gedanken macht, hilft euch das dann auch, besser einzuschätzen, welche Inhalte ihr auf eurem Kanal haben wollt, welche Zielgruppen ihr wollt und vor allem, wie ihr sie ansprechen wollt.

Nicola

Absolut. Und aus meinem beruflichen Leben kann ich sagen, da stehe ich auch ganz oft zwischen den Stühlen. Und es gibt da kein Schwarz und kein Weiß. Ich liebe die Power von Social Media. Und wir haben ja noch die Wins, was uns schmeckt, die Schmankerl, wenn man mal wieder auf unser Food Thema kommt, was uns gut schmeckt. Da gibt es ganz, ganz tolle Geschichten. Und da habe ich auch gleich noch einen Win mit dabei, können wir gleich noch im Anschluss machen. Es wäre schade, wenn diese Power verloren geht.

Das finde ich so schade, weil dafür liebe ich Social Media. Und gleichzeitig kennen wir dieses Thema, dass es ganz viele Schattenseiten gibt. Und ich finde, beide Themen sollte man sehen und auch im Unternehmen ansprechen können. Und wie du sagst, strategisch, und das ist vielleicht so ein bisschen der Hinweis oder das Learning, sich strategisch aber wirklich auch klar zu sein, zum Beispiel, warum wir nicht auf einer Plattform sind, oder dass wir auf der Plattform sind, um etwas zu verändern, oder um auch eine Sichtbarkeit zu haben, oder um Service anzubieten, oder um junge Leute zu erreichen. Und ich glaube, wenn man da Antworten hat, und da kommt, glaube ich, dann der Wink zu Jens Wiese mit seinem Strategiethema, dann wird die Strategie rund.

Deswegen: Kritik ist manchmal super wichtig an dieser Stelle, an der strategischen Stelle. Und für einen selber. Also ich meine auch, für einen selber irgendwie, man ist täglich damit beschäftigt, und dann kann man vielleicht nicht die Welt retten, aber in diesem kleinen Kosmos kann man etwas tun.

Alexander

Das stimmt. Und wie gesagt, man kann natürlich seine eigene Community pflegen. Da kann man zum Beispiel auch eine Etikette und so etwas haben. Solche Sachen hat man selbst in der Hand. Klar, man ist von den Plattformen abhängig.

Und obwohl wir ja große Social Media Verfechter sind, sagen wir auch immer, man braucht trotzdem auch noch eigene Kanäle, wo du ein bisschen unabhängig von den Algorithmen der großen Plattformanbieter bist. Aber auch einfach für sich herausfinden, das finde ich wichtig: Wie soll meine Community sein? Das ist jetzt eine ganz simple Frage mit ein paar Worten, aber die Frage ist gar nicht so simpel, wie es die paar Buchstaben und Wörter hergeben.

Nicola

Das ist voll schwer zu beantworten.

Alexander

Und das kann man auch einfach lernen. Und da finde ich eine gewisse kritische Haltung, kritisch muss ja nicht ablehnend heißen, aber gesunder Menschenverstand ist vielleicht in Zeiten von KI auch viel wichtiger denn je. Und da dann einfach ein bisschen gesunden Menschenverstand, eine kritische Haltung gegenüber diesen Plattformen einnehmen, hilft, finde ich, ungemein beim Aufbau und der Pflege der eigenen Community.

Nicola

Und auch gegenüber Features zum Beispiel. Mir ging es immer so, als Social Media Expertin werde ich ja oft gefragt: Ah, da gibt es ein neues Feature, was kann das? Oder auch nicht. Auch da kann man kritisch sein. Man kann auch sagen: Hey, Feature XY nutzen wir nicht, weil es irgendwie in die falsche Richtung geht. Und ja, ich denke, das ist auch wichtig, sich da irgendwie auch klar zu positionieren, dass gewisse Features auf einer Plattform vielleicht nicht gut sind oder gewisse Themen vielleicht nicht gut sind. Und mir persönlich geht es auch so, da bin ich ganz ehrlich, ich muss auch aufpassen: Manchmal, wenn ich zu lange auf Instagram bin, das macht mir unfassbar schlechte Laune.

Und auch das zu reflektieren und zu sagen: Hey, ich muss da wieder ein bisschen aufpassen, ich glaube, das ist super wichtig. Und das ist, was wir auch Jugendlichen mitgeben können oder jungen Menschen, auch Eltern übrigens, wenn sie zuhören. Dass man immer wieder hinterfragt: Hey, bitte pass auch privat auf, dass du es nicht so krass nutzt. Wenn du merkst, das zieht dich eher runter, vielleicht mal ein bisschen Detox machen oder einfach ein bisschen weniger. Und das geht mir so. Also da muss ich mich auch echt selber sehr stark hinterfragen. Und das ist wichtig, dieses Lernen, damit umzugehen. Und auf politischer Ebene müssen wir es trotzdem im Blick behalten, dass das entsprechend nicht einfach ausufert.

Alexander

Es hilft auch bei der eigenen Positionierung. Also ich bin ja auch Freiberufler für eben diese Bereiche PR und Content. Und ich habe jetzt, das ist noch nicht so lange her, seit August, ich bin jetzt schon so lange auf LinkedIn, aber ich habe es nie so aktiv genutzt. Und jetzt seit August habe ich gesagt: Hey komm, mir endlich den Ruck gegeben, mach es mal ein bisschen. Und ich sehe jetzt schon ein bisschen, es tut sich tatsächlich schon etwas bei den Views.

Wenn man es wirklich aktiv nutzt, kann man echt etwas erreichen. Und das ist auch witzig, man podcastet so lange, jetzt steige ich voll mit LinkedIn ein, aber hey, es macht auf jeden Fall Spaß. Aber ich weiß auch, was ich absolut nicht in meinem Feed sehen will, und das wiederum gibt es dann von mir nicht zu sehen. Also ihr werdet niemals irgendwelche Rolex oder 5 am Club Postings von mir sehen.

Nicola

Warum? Da können wir nochmal eine Folge machen, ob es funktioniert hat.

Alexander

Okay, wäre witzig, aber ich finde es einfach einen total blöden Inhalt, und ich will das einfach nicht sehen in meinem Feed, und dementsprechend will ich es auch einfach nicht machen. Sondern ich will einfach, so wie hier in dem Podcast, offen und ehrlich mit euch reden, ich will Einblicke in meine Social Media Vorstellungen geben, ja, und einfach ein bisschen Feed und Futter Content. So stelle ich mir mein LinkedIn Profil vor.

Aber ich finde, es hat mir einfach geholfen, dass ich gegen so manche Trends kritisch bin. Und wir haben bisher oft nur von den technischen Entwicklungen gesprochen oder eben, sage ich mal, von ganzheitlichen Phänomenen wie zunehmender Radikalisierung auf Social Media. Es gibt auch Trends, da haben die Plattformen erst mal nichts damit zu tun. Sie können es dann durch die Algorithmen verstärken, aber es ist ein Trend, der eigentlich aus den Usern kommt. Das ist zum Beispiel bei LinkedIn zu beobachten. LinkedIn wird ja von den Inhalten immer mehr wie Instagram.

Also man sieht viel mehr Persönliches, auch irgendwie die Bilder, wie Leute sich jetzt auf LinkedIn fotografieren, so diese Halbtotale, das ist ja klassisch das Instagram Motiv. Und klar, der Algorithmus verstärkt es dann, aber man sieht, wie der Content auf LinkedIn langfristig weggeht von reinem Business Content zu Semi Business Privat, und jetzt ist es auch oft voll privat. Und da muss man auch nicht mitmachen. Also ich will auch nichts Privates auf LinkedIn posten, und das sehe ich auch manchmal kritisch. Und klar, das wird durch die Algorithmen verstärkt, aber wie gesagt, die kritische Haltung, gesunder Menschenverstand, das heißt ja nicht, dass man Social Media ablehnen muss, aber ich finde, das hilft ungemein bei der eigenen Positionierung und beim Aufbau der eigenen Community.

Nicola

Auf jeden Fall. Und da vielleicht auch nochmal ergänzend, das waren ja deine Wins: Alle Wins, ich würde sagen alle, oder fast alle, die wir hier im Podcast vorschlagen, was ich da so sehe, ist eigentlich Kontinuität. Also die haben so ihren Stil und die haben ihre Visualität und ihr Thema, meistens irgendwie so ein sehr eingegrenztes Thema, nicht so ausschweifend, sondern sehr nischig in eine gewisse Richtung, und einfach das durchzuziehen und dabei zu bleiben. Und damit kann man dann schon recht erfolgreich werden. Also da bist du auf einem guten Weg.

Alexander

Ja. Können wir mal reden.

Nicola

Dann werden wir mal sehen, wie sich das entwickelt. Können wir ja mal reden. Da habe ich dir noch etwas mitgebracht mit dem Thema: Können wir mal reden. Und zwar ist es schon ein paar Tage her, aber es war eine virale Geschichte. Und virale Geschichten aufzugreifen nach einer WM ist zwar ein bisschen late to the party, aber was man da lernen kann, ist Folgendes. Also ich erzähle, worum es geht, sonst kann man ja gar nichts lernen. Und zwar: Lamine Yamal hat beim Spiel Spanien gegen Argentinien, also dem Finale, 6PM getragen, also eine Underwear, eine Unterhose.Eine Boxershorts? Nein, Boxershorts weiß ich gar nicht genau. Aber auf jeden Fall Unterwäsche. Und das ist ein deutsches Label.

So ein kleines deutsches, feines Label. Und das ging natürlich um die Welt, weil junge Menschen, Thema Gen Z Marketing, das gefeiert haben. Und dann ging es darum: Gab es da Sponsorenverträge? War das ein geplanter Coup? Was war da eigentlich los? Und unterm Strich ist es aber so, dass der 6PM Gründer oder Inhaber sich auf LinkedIn gemeldet hat und gemeint hat, sie haben eigentlich gar nichts damit zu tun und freuen sich einfach, dass er gerne ihre Klamotten trägt. Und es wurde mega gefeiert, und da siehst du auch wieder, dass es schon ein Thema ist, authentisch zu sein, eine gute Brand zu haben, und wenn es gut läuft, kriegst du einfach mal Viralität geschenkt, wenn die Community dich mag.

Alexander

Ich habe auch etwas mitgebracht. Und das ist, weißt du, was ich am meisten mag bei Wins und Fails? Wenn wir etwas haben, was sowohl als auch ist. Und ich habe etwas mitgebracht. Es begann als Fail und wurde zu einem Win. Leider wurde der Beitrag inzwischen gelöscht, aber ich fand es einen Höhepunkt von coolen Communities. Mir ist in den LinkedIn Feed mal wieder so ein typischer Rant reingeschneit: Deutschland schafft sich ab, Ausrufezeichen. Da hat dann jemand einen Kassenzettel gepostet von seinem Ausflug nach Österreich und meinte: Oh, guck mal, wie billig in Österreich das Essen ist. War mir auch neu, das zu hören. Und weil die Gastronomie in Deutschland so teuer ist, war das für diese Person irgendwie der Beleg, dass es mit unserem Land bergab geht. Das ist so weit der Fail.

Nicola

Ein richtiger Beleg übrigens.

Alexander

Ja, genau, tatsächlich, ja.

Nicola

Richtiges Wortspiel.

Alexander

Sehr cool. Und das war der Beleg, dass es mit unserem Land bergab geht, und dann schreibt er auch da: Wiener Schnitzel in Österreich ist so viel günstiger.

Nicola

Aber da hätte er sich schon Gedanken machen müssen, weil das, also das habe ich noch nie erlebt. Aber okay, ja.

Alexander

Er hat geschrieben, in der Nähe von Innsbruck. Da dachte ich mir: Hey, geh mal im Montafon so etwas wie Germknödel essen, auf einer Skihütte, viel Spaß. Und jetzt, was das Coole war, das ist der Win, was dann die Community gemacht hat: Die sind dann auf die Webseite von dem Restaurant gegangen und haben gesagt: Hey, du hast ja nicht mal das Wiener Schnitzel bestellt, sondern das normale Schnitzel. Und danach hat sich die ganze Diskussion in der Kommentarspalte entwickelt, was ein echtes Wiener Schnitzel ist, wie es zubereitet werden muss, welche Bestandteile es hat, wie die Panade sein muss. Und das fand ich so witzig, und es hatte ein Food Thema. Und dass hier einfach die Community dann eine Schnitzeldiskussion angefangen hat.

Nicola

Ja, und jeder weiß, die Schnitzeldiskussion ist never ending. Also das ist ein ganz, ganz entscheidendes Thema, gerade in Österreich. Und ja, aber ich finde gut, dass es gekapert wurde, dass er quasi sein Learning, vielleicht hat er ein neues Learning aus dieser Geschichte. Vielen Dank für diesen super Win und wieder LinkedIn Kuriositäten. Eigentlich war das auch eine Rubrik: LinkedIn Kuriositäten bei Feed und Fudder.

Alexander

Das stimmt, das brauchen wir unbedingt. Macht’s gut.

Nicola

Ich wünsche dir eine schöne Woche, euch auch, und wir hören uns wieder. Ciao!

Alexander Hein
Alexander Heinhttps://axconsulting.de
Alexander Hein ist Freelancer für Content & PR. Schreibt gerne und dachte eines Tages: Warum nicht die eigene Leidenschaft zum Beruf machen? Als ehemaliger Gründer eines IT-Startups hat er einen Faible für Themen rund um Tech und IT. Darüber hinaus liegen weitere Schwerpunkte in der Zusammenarbeit mit Online-Shops und KMUs. Seit Mitte 2023 ist der studierte Germanist im AllSocial-Team.

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